Samstag, 4. Oktober 2014

Motörhead (6b) - Grimsel

Bevor du, liebe/r Leser/Leserin, den Bericht liest oder auch nur die Bilder anschaust: klicke hier und drehe die Boxen deines Computers auf LAUT.

Auszug aus dem Filidor Büchli:
Kaum über ein anderes Gebiet wurde so viel geschrieben wie über diese fantastischen Platten am Eldorado-Dom. (...) die Gebrüder Remy möchten den alpinen Charakter, zu dem das Anbringen von Sicherungsgeräten gehört, beibehalten. Wer also die Grössen der Friends nicht auswendig kennt, kann sich den langen Weg zum Einstieg ersparen.

Tourenberichte gibt es hier, hier oder hier... oder hier. In einem deutschen Heft erschien ein schöner Bericht über das Gebiet. Ich empfinde diesen als absolut lesenswert und super zur Einstimmung auf das Abenteuer.

Ebenfalls steht in etlichen Begehungsberichten in etwa das Folgende:
Nebst ein paar Expressen, Schlingen, Keilen und Friends gehört auch eine grosse Portion Mut und ein Set stahlharte Nerven zur Ausrüstung... pro Seillänge stecken nur gerade 2-3 Bolts - der Rest muss teilweise über weite Strecken selbst abgesichert werden.


Auf dieses Abenteuer stimmte ich mich am Donnerstag mit einer Wiederholung der Tour "Reisefieber" (5c+) am Hintisberg mit Michaela ein. Die weiten Hakenabstände sollten bereits etwas kitzeln.

Am Abend traf ich mich mit Lucius in Interlaken und gemeinsam fuhren wir hoch zum Grimselpass. Natürlich hörten wir während unserer Fahrt den Gitarren- und Schlagzeugsound der Band Motörhead. Nach einer kalten Nacht auf dem Parkplatz des Grimsel Hospiz machten wir uns um 06.15 mit einem kurzen Frühstück und zwei Kaffees ready für den Tag.


Die 90' zum Einstieg wärmten uns gäbig auf und wir freuten uns um 08.30 in DIE Tour Motörhead einzusteigen. Noch nie hatte ich am Gstältli derart viel Material.. es fühlte sich aber gut an und machte irgendwie enorm Lust auf das Bevorstehende.


Während man auf plaisirstandart gebohrten Touren den nächsten BH anklettert, muss man hier abschätzen, wann es sinnvoll und überhaupt möglich ist, selbst abzusichern. Wenn es in einem Riss gut läuft, ist man schnell einmal 5-6m vom letzten Friend entfernt, kommt dann eine schwere Stelle, ist man froh, wenn man möglichst unmittelbar noch etwas "Stabiles" legen konnte.

In der zweiten SL (5c) konnte man gleich einmal testen, wie gut der Gummi auf der steilen Platte hält. Kurz nach dieser Stelle wartet ein steiler Piazriss, welchem auch die dritte SL folgt.


In der dritten SL (6a) testete ich gleich einen kleinen Friend. Auf einer nassen Stelle rutschte ich aus dem Riss und der Friend übernahm seine Funktion als Stopper :) Von da weg konnte ich dann aber sturzfrei durchziehen. Lucius fühlte sich in diesem Schwierigkeitsgrad natürlich pudelwohl. Für mich war er eine super Rückversicherung, für den Fall, dass ich irgendwo nicht hochkommen sollte im Vorstieg.

 
 
Die sechste SL war für unseren Geschmack unterbewertet und dürfte im Vergleich mit den anderen SL bei 6a einchecken. Aus der Piazstellung muss, währenddem die Unterarme am Platzen sind, Friend um Friend gelegt werden.
 
 
 

In der siebten SL (6a) vergass ich an guter Position einen Friend zu legen und kam 4-6m über der letzten Sicherung ganz schön in Stress. Laut schnaubend versuchte ich mehrmals aus der Piazstellung blind einen Friend zu positionieren, was mir nicht gelang. Es blieb nur die Flucht nach vorne (ein Abgang über 10m war irgendwie keine richtig tolle Option). Ich war super happy und ziemlich stoked, als ich den Stand erreichte.


Die elfte SL (5c) hielt nach einer kuulen Plattentraverse einen genialen Piaz einer Schuppe entlang. Der finale Esoterikmove zum Stand war glücklicherweise mit einem soliden BH gesichert.



Hier in der zwölften SL geniesst Luci den fast letzten Riss, welcher noch einmal super genial ist und die Mundwinkel zu den Ohren zieht.. piazen, untergreifen, drücken und ziehen: whoop, whoop! 



Nach etwas über 5h kamen wir im Überschlagsmodus total happy auf dem Eldorade-Dom an. Es war eine unglaublich geile Tour und wir mussten lange überlegen, welches wohl die unlohnenste SL war. Resultat der anstrengenden Überlegungen: keine.

 
Im Abstieg und auch beim Tomaten-Mozzarella-Salat, Bier und Chips Gefrämsel zurück auf dem Parkplatz tauschten wir die spannendsten und eindrücklichsten Momente der Tour aus. Und wir sind uns sicher, wir kommen wieder. Es wartet noch die Septumania auf uns, aber wir würden auch sofort noch einmal Motörhead klettern.