Das letzte Rennen der Saison und zu gleich der Höhepunkt des "zügigen Tourengehens" für mich ist bereits wieder Geschichte. Dass die Mezzalama sehr streng ist, wusste ich bereits im Vorfeld. Vor zwei Jahren bin ich schon mit einem zusammengewürfelten Dreierteam gestartet. Leider packten wir damals die Zeitlimite nicht. Diese ist sehr knapp für uns Hobby-Tourengeher. Bei meinem Fitnessstand mag es nicht viel leiden, ein schlechter Tag, ein Fellproblem, ... und man kann wieder nach Hause fahren.
Der Wetterbericht war nicht sehr erfolgsversprechend. Trotzdem fuhren wir mit zwei Teams nach Gressoney. Steff lief mit Anja und Mario, ich mit Beni und Chris. Der italienische Wetterfrosch-Guru prophezeite eine zehnstündige Schönwetterphase exakt vom Start weg (und er sollte Rechte bekommen).
Vor zwei Jahren zog ein Teamkollege den Zonktag der Saison, am vergangenen Samstag ich. Mit Beni und Chris rannte ich um 05.30 Uhr in Gressoney im Dorf los: zuerst einige hundert Meter mit den Skis am Rucksack über eine Wiese, dann durch den Ort zur Skipiste. Das befürchtete "Gemetzel" hielt sich in Grenzen und wir konnten die Ski anschnallen und losfellen. Hier merkte ich bereits, dass heute nicht mein Tag werden wird.
Ich war sehr enttäuscht und konnte an nichts anderes mehr denken, als dass ich meine beiden Teamkameraden vor einer Rennaufgabe bewahren wollte. Chris montierte die Gummischnur und ich wackelte irgendwie hinterher. Mein Puls beruhigte sich langsam etwas und wir kamen als Team vorwärts. Unterhalb des Couloirs, welches zur Mantovahütte hochführte, band ich mich los und schleppte mich die letzten Spitzkehren hoch und stapfte die Stufen im Couli hoch.
Oben mussten wir uns ins Seil einbinden, da wir kurzum hochalpines Gletschergelände betraten. Nun windete es sehr stark und es war kalt. Dies zehrte noch viel mehr an mir, doch ich sah auf der Uhr am Handgelenk, dass es reichen sollte. Ziemlich erschöpft passierten wir den Kontrollpunkt mit 13 Minuten "Reserve".
Nachdem ich da viel trinken konnte, einen Gel reindrückte und Beni und Chris mir gut zuredeten, marschierten wir weiter. Es ging nun eine Gletscherstufe hoch, links und rechts sah man eindrückliche Abbrüche und Spalten. Es war noch immer bitterkalt. Immer wieder fuhren Teams an uns vorbei. Diese gaben das Rennen auf. Ich war überzeugt, dass das Rennen wohl abgebrochen wird: Wind, Kälte. Die meisten Läufer waren nun deutlich langsamer unterwegs als noch zuvor. Wir konnten uns einreihen und Chris gab ein gutes Tempo vor. Es lief nun etwas besser, aber noch immer war ich weit vom "Soll" entfernt.
Unterhalb der "Naso del Lyskam" schnallten wir uns die Steigeisen an die Füsse, banden die Ski auf den Rucksack und stiegen eine steile Flanke im felsdurchsetzten Gelände hoch. Wir waren nun mitten im Stau. Der Abstieg auf der anderen Seite war heikel und im Blankeis waren Stufen ausgesägt worden. Zur Sicherung mussten die Läufer/innen sich mit einem Klettersteigset in Fixseile klicken. Dies führte zu einem grösseren Rückstau. Wir "verloren" viel Zeit während welcher ich mich weiter erholen konnte.
Nach einer kurzen Abfahrt am Seil checkten wir bei der Sellahütte mit vier Minuten "Reserve" ein. Hier realisierte ich, dass wir die Mezzalama wohl packen werden. Es galt nun "nur noch" den Castor zu überschreiten. Genau hier bekundete Chris, dass er mit der Höhe Mühe habe, sein Magen streikte, der Kopf schmerzte. Wir verpflegten uns gut und liefen weiter zur Wechselzone unterhalb des Castors. Chris war es nun sehr übel und wir mussten ihn zum Essen motivieren.
Wir liefen dann alle recht langsam mit Steigeisen die Flanke hoch, überschritten den Castor, fellten nach einer kurzen Abfahrt zum Breithornplateau hoch und gelangten über die klebrige Wasserskipiste ins Ziel in Cervinia.
Von 265 gstarteten Teams erreichten lediglich 180 das Ziel. Dies unterstreicht die Härte des Rennens. Damit will ich mich natürlich nicht als "harten Burschen" präsentieren, aber es soll darauf hinweisen, das die PDG vielleicht etwas umdenken sollte. Diese ist ein gewaltiger militärischer "JeKaMi-Anlass", was dazu führt, dass es oft grossen Stau gibt unterwegs und nicht militärische oder Frauen Teams wenig Chancen auf einen Startplatz haben.
Jeder von uns Dreien war einfach nur froh im Ziel zu sein. Beni weihte uns in die Stufen des Glücks ein und wir waren uns nach dem Zieleinlauf nicht sicher, in welcher die Mezzalama einzuordnen ist. Wir waren uns alle drei nicht sicher, ob Stufe 2 oder 3 zu trifft.
Stufe 1: Es erfüllt einem mit Glück während der Aktion.
Stufe 2: Es erfüllt einem mit Glück nachdem man die Aktion beendet hat.
Stufe 3: Es erfüllt einem nie mit Glück.
Auf dem Nachhauseweg machten wir einen Pizzastop am grossen St. Bernhard Pass. Um exakt 20.14, also etwa 4.5h nachdem Zieleinlauf war ich mir dann sicher. Es ist Stufe 2 und ich freue mich auf die nächste Austragung der Mezzalama im 2017 :) :) :)


