Nachdem ich letzten Herbst etwas am Geschehen von längeren Laufwettbewerben in der Bergwelt geschnuppert habe, wollte ich am vergangenen Wochenende über die volle Distanz gehen :)
In Grindelwald fand zum dritten Mal der Eigerultratrail statt. Innert weniger Wochen war die Veranstaltung ausgebucht und die 600 Startplätze für die grosse Runde vergeben.
Zusammen mit Beni fuhr ich am Freitagabend nach Grindelwald. Nach dem Check-in und ein paar Tellern Pasta suchten wir uns einen geeigneten Schlafplatz - dies ist in Grindelwald nicht ganz einfach und promt wurden wir vom selbsternannten Sheriff vertrieben.. naja - im Dunkeln fanden wir dann dennoch einen geeigneten Platz, um in Cowboymanier ein paar Stunden Schlaf zu kriegen :)
Um 0300 klingelte der Wecker und das Müesli musste runtergewürgt, parallel alles ins Auto verladen und wir uns ins "Sportgwändli" gesteckt werden. Auf dem Weg zum Start besuchten wir die Bhf Toilette und rannten dann super gemütlich mit den anderen "Verrückten" in die Nacht hinaus in Richtung grosse Scheidegg.
Anders als an Skitourenwettbewerben liefen wir im grünen Bereich bei "gemütlichen" 150bpm und auch als es hochging, war der menschliche Tatzelwurm nicht schneller. Ich dachte mir, dass dies wohl so sein muss und wenn man ja im Begriff ist, mehrere Stunden zu rennen und zu speedhiken, dann gehört sich das so.
Bis aufs Faulhorn und den folgenden ersten langen Abschnitt in Sachen downhill liefen mir super. Ich konnte stets locker drücken und fühlte mich gut. Beim Verpflegungsposten Schynige Platten waren meine beiden Frauen, welchen ich natürlich kurz volle Aufmerksamkeit schenkte.
Wenig später und kurz vor Burglauenen (km 50) fing mein rechtes Schienbein an zu schmerzen, bergab rennen ging nicht mehr. Dave war just im richtigen Moment da und lief mit mir einige Minuten in Richtung Wengen hoch. Dies ging super, doch leider musste ich noch vor Wengen alle flachen und abwärts Stücke marschieren - zu gross der Schmerz.
Ich wollte unbedingt diesen Lauf "nach Hause bringen" und so biss ich auf die Zähne. Unterwegs war dann noch einmal Dave ein Stück gegen die Lauberhornschulter mitgelaufen.
Im Abstieg zur Wasserstation brach leider noch einer meiner Stöcke und ich musste noch mehr auf die Zähne beissen. Ab diesem Moment sagte ich mir einfach, dass es eine tolle Gegend ist und ich finishen will. Da der erste Teil super lief, hatte ich wegen den Zeitkontrollen keine Probleme, auch wenn ich nun alles "wandern" musste.
Irgendwo auf dem Eigertrail bekam ich von einem anderen Läufer zwei Stöcke und ich lief auf Dany auf, welcher ebenfalls ein Problem hatte. Ihn schüttelte es vor lauter Krämpfen, sobald er nur etwas "jöggerlete".. so taten wir uns zusammen und nahmen die Wanderung in die Nacht hinein an.
Leider überholten uns natürlich immer wieder Läufer und es hatte bis zu letzt noch rund 400 der 600 gestarteten hinter uns :) Schade hat uns der Körper ein Schnippchen geschlagen.
Kurz vor der Pfingstegg begann es dann zu Blitzen und Donnern. Das Rennen wurde unterbrochen und wir mussten in einem Restaurant knapp eine Stunde ausharren, bevor wir um 3-4km "bestohlen" wurden. Total ausgekühlt und bereits im Stand-by-Modus liefen wir langsam wieder los und erreichten das Ziel nach 19 Stunden und 11 Minuten.
Im Ziel waren unsere Frauen und auch meine kleine Elena war da. Rasch packten wir zusammen und fuhren zurück nach Gstaad.
Leider entpuppte sich mein Schmerz im Schienbein als shin Splint und ich muss nun mehrere Tage/Wochen pausieren in Sachen Laufen, hoffentlich klappt das Biken und Klettern und Chariotziehen!
Genial war aber zu sehen, dass der Körper in einigermassen trainiertem Zustand und einer Portion Willen einiges mehr leisten kann, als man denkt. 98km und 6500hm nonstop... ich denke, ob da nun noch 60km dazukommen spielt nicht einmal so eine Rolle :) Jedenfalls bin ich motiviert für weitere Schandtaten!