Seit meinem ersten längeren Lauf vor drei Jahren, ist der UTMB im Hinterkopf. Für dieses Jahr versuchte ich einen der begehrten Startplätze zu erhalten und leider war das Losglück nicht auf meiner Seite. Ich wollte aber trotzdem versuchen ein 100 Meilen Rennen zu laufen. Im Internet fand ich den Swisspeaks Ultra, welcher von der Region und vom Datum her passte.
Am vergangenen Freitagmorgen fuhr ich nach Bouveret zum Ziel des Events. Dort parkierte ich das Auto und nach etwas umpacken, führte die Reise zum Start mit einem Shuttlebus weiter. Mit der Gondelbahn wollten 250 Läufer/innen zum Staudamm des Lac de Dix gebracht werden. Dies nahm mehr Zeit als wohl geplant war und so verzögerte sich der Start um ein paar Minuten.
Während dem Warten traf ich einen der raren Deutschschweizer und wir plauderten über dies und das. Hier wussten wir beide noch nicht, dass wir uns unterwegs noch einige Male treffen sollten.
Der Start ging ohne jede Hektik los. Das kleine Startfeld setzte sich in Bewegung und nach wenigen Minuten führte ein schöner Trail zum ersten Plateau hoch. Im zügigen Gänsemarsch liefen wir noch dicht beieinander die ersten Kilometer. Bei jedem Flachstück konnte ich einige Läufer überholen und bald einmal waren nur noch vereinzelt Leute um mich herum.
Das Gelände war oft läuferunfreundlich und machte die Sache zwar sehr spannend, aber auch unglaublich langsam. Für die ersten 30km brauchte ich eine gefühlte Ewigkeit. Jedoch lief es super und bereitete mir viel Freude. Im zweiten langen Abstieg wurde es dunkel und der Trail war sehr, sehr steil. Ich mag dies nicht so. Jedenfalls spürte ich langsam die alten Blasen an den Fersen vom Verbier Ultratrail.
Im Aufstieg nach Champex telefonierte ich kurz mit Steff zu Hause. Ich berichtete, dass es mir gut geht, der Trail heftig, aber toll ist und ich bald in Champex zum richtig Essen sein werde. Zu Hause waren die Kids im Bett und Steff gerade dabei, einen meiner KOMs anzugreifen :)
In Champex traf ich wieder auf Patrik, welcher von Schüttelattacken geplagt, sich verpflegte. Er hatte mich im langen Downhill überholt. Ich wechselte die Socken, cremte die Füsse frisch ein und ass Teigwaren und trank eine Bouillonsuppe. Eigentlich war alles super bis hier.
Den Weiterweg bis Trient kannte ich nun vom CCC letztes Jahr. Erst geht es auf einer Forststrasse lange Zeit leicht bergab, bevor es sanft steigt und immer steiler sich zu einem Höhentrail hochschraubt. Hier begann mein Verdauungsapparat zu streiken. Erst musste ich in die Büsche fürs grobe Geschäft und als Patrik wieder auf mich auflief, war ich gerade das dritte Mal am erbrechen. Woah.. üble Sache.
Aber wie es so ist, wusste ich, dass nach jeder Krise wieder ein Laufflow wartet :) So versuchte ich Patrik und dem späteren drittplatzierten Läufer meiner Kategorie, Johann, anzuhängen. Dies klappte anfänglich, bevor ich mich erneut übergeben musste. Ich entschied mich zu einer kurzen Pause mit Riegel essen und beruhigen.
Den Höhenweg wanderte ich ziemlich gemütlich. Mittlerweile spürte ich meine Blasen fester und böse Erinnerungen kamen auf. Beim höchsten Punkt weckte ich Steff mit einem Telefonanruf. Ich erzählte ihr, dass ich wieder mit den Füssen kämpfe und der Magen streike. Ich fasste es ins Auge, in Trient aufzugeben.
Mit guten Worten im Ohr von Steff wanderte ich schmerzgeplagt den Weg nach Trient runter. Da gab es aber keine Verpflegung und somit keine Möglichkeit auszusteigen. Der Weg führte nun weiter in Richtung Finhaut. Erst alles der Hauptstrasse entlang und kurz vor der Ortschaft gelangten wir über einen steilen Wurzelweg zum Fluss runter. Da die Verpflegung in Finhaut war, wusste ich, dass all die Höhenmeter wieder hochgewandert werden müssen... dieser Weg war ebenfalls steil und sehr anstrengend. Da ich schon länger nichts mehr essen konnte (nur schon beim Gedanken daran drehte sich mein Magen), war ich ziemlich entkräftet, als ich in Finhaut ankam.
In der örtlichen Turnhalle sass dann auch wieder Patrik. Er kämpfte ebenfalls mit dem Magen. Jedoch entschied er weiter zu "wandern". Ich trank in einer gefühlten Ewigkeit eine Bouillonsuppe und ass etwas Schokolade. Dann wägte ich die Chancen zu einem Finish ab und musste mir leider eingestehen, dass ich mit diesen Blasen selbst fürs Wandern von weiteren 100km keine realistische Erfolgsmöglichkeit hatte. Ich teilte der Dame am Posten meine Entscheidung mit. Nach gut 70km und 5000hm war Schluss für mich :(
Ich wechselte auf trockene Kleidung, packte mich warm ein und schlief sofort auf einer dünnen Gymnastikmatte in der Halle ein. Die Läufer, welche ich im Dämmerzustand immer mal wieder wahrnahm, sahen jedesmal mitgenommener aus. Die Gruppe, mit Läufern, welche hier das Rennen beendeten, vergrösserte sich bis zum Morgen zusehends.
Etwas nach 8 Uhr am Morgen wurden wir mit Bussen zum Ziel gebracht. Nach einer Dusche und langem Warten auf den Läufersack, fuhr ich enttäuscht nach Hause. Hier verfolgte ich das Rennen online weiter und sah, dass auch Patrik ausgestiegen ist. Das ganze Rennen wurde nur von einer Handvoll Läufer beendet - satte 85% packten die Aufgabe "Swisspeaks" nicht.
Nun war ich heute Sonntag kurz auf dem Mountainbike. Die Blasen verheilen, die Beine sind noch etwas schwer - aber ich bin "schaurig" motiviert, wieder zu laufen und werde sicherlich versuchen, am UTMB einen Startplatz zu ergattern. Das Alternativprogramm dürfte erneut der Swisspeaks sein... die Strecke ist hart, aber geil!
Übrigens hat Steff den KOM nicht gepackt - hehe, da habe ich sie mit dem Telefonat am Abend im richtigen Moment erwischt :)