Donnerstag, 13. Juli 2017

Ultra Trail Verbier St. Bernard (#2)

Der Trail Verbier St.Bernard gehört zu den Schweizer Institutionen im Ultra Trail Running. Die Streckenführung durch die 3 Täler des Dranse Baches gilt als sehr anspruchsvoll, inbesondere bei schlechtem Wetter. Der Trail geniesst zu Recht seit seiner Erstaustragung im 2004 ein hohes Ansehen und wurde bis dato immer in die Top 3 Ultra Trail der Schweiz gewählt. (Quelle: Swiss Ultra Trail)

Bereits vor einem Jahr konnte ich bei diesem Event intensive Erlebnisse sammeln und der Lauf gefiel mir derart gut, dass ich auch dieses Jahr wieder am Start stand :) Und bereits vorneweg: vielleicht stehe ich da auch in Zukunft wieder an der Startlinie!

Da ich an der kurzfristigen Vorbereitung nicht allzu viel verändern wollte, lief ich mit Steffi ein paar Tage vorher noch ums Wildhorn und am Dienstag der Wettkampfwoche die letzte grössere Einheit (aufs Spitzhorn bei Gsteig). Den Rest der Zeit galt der Familie und kurzen Veloeinheiten.

Am Freitag ging es los und ich fuhr mit dem Auto nach Verbier. Eine Materialkontrolle war dieses Jahr freiwillig und ich lies diese gleich aus - lieber fuhr ich nach der Startnummernausgabe gleich weiter und machte es mir auf dem grossen Parkplatz gemütlich. Zum Abendessen spazierte ich durchs Dorf und bestellte wie vor Jahresfrist eine Pizza mit Salami und Bier :) Beim Warten auf den Tomatenkuchen sprach mich ein sympathischer Läufer an und er entpuppte sich als Kurt Nadler (Autor bei Swiss Ultratrail). Witzigerweise kreuzten wir uns auf der Wildhornrunde und im Tessin lief er einige Kilometer mit Beni meinem guten Kollegen. Einmal mehr ist bewiesen: Die Welt ist ein Dorf.
Später am Abend traf dann auch noch Philippe Marmet auf dem Parkplatz mit seiner Frau ein. Er ist ebenfalls aus dem Saanenland.

Nach einer erholsamen Nacht im Auto gönnte ich mir ein Schoggibrötchen mit Kaffee zum Zmorgen und dann gings los an den Start. Philippe und ich starteten ganz hinten im Feld. Auf den ersten Kilometern führt die Strecke auf Asphalt durchs Dorf und da schob ich mich in etwa die Mitte des Feldes. Der erste kurze Aufstieg und der lange Downhill auf dem genialen Wurzelweg konnte ohne Stau gelaufen werden werden . Da es furztrocken war, wurde einiges an "Feinstaub" aufgewirbelt und  dies trocknete die Atemwege ganz schön aus :).

Leider plagten mich auf diesen Abwärtsmetern Magenkrämpfe und ich musste zweimal in die Büsche verschwinden. Nachdem der Darm entleert war, konnte ich langsam wieder "Fahrt" aufnehmen. Für mich persönlich ist es angenehm, eher langsam zu starten und den Rest des Wanderevents zu überholen.

Im Aufstieg zum Catogne fand ich langsam meinen Rhythmus. Nach der Alp fing das technische Gelände an. Da ass ich auf einem Stein sitzend meinen ersten Biiber, welcher später zündete :) Im langen Downhill nach Champex-le-lac konnte ich viele Plätze gutmachen und zur Cabane Orny hoch eine schöne Pace laufen. Dabei konnte ich auch Philippe ein-und überholen. Kurz vor der Hütte kreuzten sich die Läufer kurz und ich traf auf Kurt.

Wiederum folgte ein langer Downhill. Viele Plätze konnte ich gut machen und danach galt es, wohl überlegt langsam durch den Backofen der Rundtour zu gehen. Mit 1.5l Flüssigkeit im Gepäck marschierte ich die gesamte Strecke im zügigen Schritt nach la Fouly. Ich wusste, dass ich hier nicht überdrehen darf - Hitze ist nicht meine Stärke!

Frisch gestärkt nahm ich den Weiterweg unter die Sohlen. Den guten Schritt hielt ich auch aufwärts über den Col de la Fenetre zum Grand st. Bernard. Leider war hier an der Verpflegung nichts wirklich zum Mitnehmen gedacht und mein Rucksack leer. Bis Bourg St. Pierre war es noch ein ziemliches Stück und glücklicherweise, konnte ich der mir bekannten Läuferin Sophie unterwegs etwas abknöpfen.

Etwas hungrig, aber voll im Schuss erreichte ich die grosse Verpflegungsstelle. Kurz einen Teller Pasta verdrücken, Essen und Gels auffüllen und Vaseline nachpinseln und hopp.. weiter geht's auf den langen Weg zur Cabane de Mille. Die Höhenmeter dahin laufen sich angenehm auf einer Forststrasse. Die Distanz folgt nach Erreichen der Höhe. Ein kuuler Trail windet sich immer wieder ins Tal und zurück - oft im Blick ist dabei die Hütte und man kommt und kommt nicht näher :) Auch da, nur kurz auftanken und noch möglichst viel vom Abstieg bei Tageslicht machen.

Etwa in der Hälfte holte mich die Nacht ein und mittels Stirnlampe gings den teils steilen Weg nach unten. Leider hatten sich mittlerweile Blasen gebildet an den Füssen. Vorallem am linken Vorfuss wohl ein grosses Ding. Ich konnte nicht mehr rennen und musste unter Schmerzen vorwärts gehen.

In Lourtier füllte ich wieder auf, ass etwas und versuchte einen Rhythmus zu finden. Die Mauer von Lourtier, 1200 sehr steile Höhenmeter waren hart. Erst gegen Schluss fand ich eine gute Pace. Nach der letzten Verpflegung kam der härteste Teil vom Rennen. Irgendwie musste ich mit der inzwischen sehr, sehr schmerzhaften Blase wieder runterkommen. Ich spürte, wie im Schuh drin wohl ein Schlachtfeld ist.

Einigermassen zügig fand ich den Weg ins Ziel. Zu meiner Freude fast eine Stunde schneller als das letzte mal und auf dem 10ten Platz in meiner Kategorie. Woohoo! 111km und 8400hm in 22h 47'


Am Tag des Schreibens, Donnerstag, kann ich noch immer nicht laufen. Die Blase ist riesig, der Fuss geschwollen... ich hoffe, bald wieder Rennen gehen zu können.. immerhin funktioniert biken einwenig. Von Oli Gyger habe ich nun den Tipp einer Spezialcrème erhalten - diese ist bestellt und soll mich dann endlich einmal problemlos durch einen Ultra bringen (wenigsten ohne Blasen). Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Event und die vielen kuulen Trainingsrunden bis dahin.