Den ganzen Sommer 2018 über versuchten wir in diesem Setting an den Fels zu gelangen. Bestimmt war aber an einem solchen Termin einer der raren Regentage, war jemand erkältet oder verletzt oder... irgendwann war es nicht mehr so dramatisch - der Plastik macht auch Spass.
Im ersten Oktoberdrittel funktionierte es. Meine Kletterpartnerin und ich gingen an den Fels. Die im "Alpen" erschienene Neutour (2016) Pappy's Turm (6a) in den Gastlosen sollte es sein. Ich suchte meine Klettersiebensachen zusammen und los gings. Die Tour war ganz hübsch. Etwas grasiges Ambiente, aber okay für ein erstes Mal Felsklettern seit 1.5 Jahren. Ernüchternd war aber mein "Gspüri" fürs Reibungsstehen und so war die 6a SL im Vorstieg nicht onsight möglich :( Die Freude über den Ausflug überwog.
Just am Abend nach der Tour ein SMS von Lucius: "Wie sehts bi dir am Samstig us? Excalibur?" Holly sh.. nach dem misslungenen Durchstieg in einer 6a an die Wendenstöcke fahren? Klar doch - Lucius kannte die Tour und meinte, a) ist die Reibung besser als in den Gastlosen b) ist die Tour eher kräftig und c) würde das Seil für mich jeweils von oben kommen :)
Am Samstagmorgen trafen wir uns um 06.15 Uhr in Spiez. Gemeinsam fuhren wir zur Wendenalp weiter und stiegen kurze Zeit später zum Excaliburpfeiler hoch. Die Wendenstöcke wurden von goldenem Licht beschienen. Erst nur die Gipfel, dann immer mehr. Gewaltig. Und natürlich war ich nervös.
Weit und breit waren wir die einzige Seilschaft an diesem Pfeiler. Im ganzen Gebiet waren an diesem perfekten Samstag nur gerade 4-6 weitere Paarungen zugegen. Lucius führte den ihm bestens bekannten und gegen Schluss exponierten "Weg" hoch und er führte auch die komplette Tour im Alzheimeronsight souverän durch. Zudem trug er den Rucksack mit warmer Kleidung, Essen und Trinken ebenfalls mit - ich hatte also den "gemütlichen" und stressfreien Part --> Nachsteiger und Sicherer.
Einige Stellen konnte ich zwar nicht frei klettern. Da die Touren an den Wendenstöcke nicht über die Dichte an BH verfügen, wie ich dies im Vorstieg wünschte, waren auch die Schummelgriffe rar. Für mich ist die Kletterleistung von Lucius und anderen erfolgenreichen Vorsteigern gewaltig - Absicherung und Bewertung schrecken viele Kletterer ab oder lassen sie unverrichterter Dinge wieder abziehen.. Das ab und zu Schummeln tat meiner Freude aber nichts ab - es war ein grandioses Erlebnis: beste Stimmung unter Kollegen, genialer Fels, tolle Moves, riesen Ambiente! Es war nun bereits die vierte Wendentour für mich, immer mit Lucius und meist im Komplettnachstieg. Eine bis zwei Touren sind noch innerhalb meiner bescheidenen Nachsteigermöglichkeiten - es darf also weiter geträumt werden :)


