Nach dem Ultratrail im Tessin habe ich mir leider eine Entzündung der Achillessehne eingefangen. Geduld war gefragt und ich musste mich im Nichtstun üben (nicht so meine Stärke). Zum Glück konnte ich aber ziemlich schmerzfrei wandern mit der Familie - wir konnten einige wunderschöne Touren unternehmen.
Leider musste ich aufgrund der Verletzung auf mein Lieblingsrennen in Verbier verzichten. Diese Absenz war schnell vergessen und ich war froh, dass ich dieses Wochenende in Montreux am Start sein konnte. Es war ein spezielles Rennen.
Beni und ich liefen in der Kategorie "Relais". Dies bedeutete, dass der erste Läufer am Genferseeufer startete und erst einmal alleine 70km abspulte. Es folgten dann gemeinsam 30km, bevor der zweite Läufer 62km alleine weiterlief.
Ich übernahm den Part des zweiten. Erstens konnte ich so auf meinen Fuss hören und das Rennen beenden, ohne dass ich Beni von seinem Lauf abhalte. Zweitens sind wir schneller, wenn er als stärkerer Läufer zuerst sein Tempo läuft.
So startete Beni beim Chateau Chillon am Morgen um 06.00 Uhr. Der Freitag war extrem heiss und dies forderte ganz schön. Noch am Abend, als ich dazu stiess, war es extrem heiss. Wir erlebten einige taffe Momente zusammen - so wie dies die Organisatoren prophezeiten. Meistens aber liefen wir wortlos zu zweit durch die Gegend. Die Strecke ist extrem technisch und wirklich laufbare Stücke sind selten oder nur kurz. Auf unserem gemeinsamen Abschnitt waren wir gar auf exponierten Stücken mit Seilen versichert unterwegs oder kraxelten über Felsblöcke - zum Glück hatten wir da noch Tageslicht. Die Aufstiege und Abstiege sind allesamt sehr steil, mit Wurzeln und Steinen durchsetzt.. dies macht es schwierig, schnell zu laufen. Aber genau so lieben wir es!!
Als ich dann Beni in Gryon zurücklassen musste, hatte es mich schon recht hart, alleine durch die Nacht zu laufen. Leider war ich die komplette Strecke alleine unterwegs. Als am Morgen noch ein Gewitter über der Gegend sich entlud und alles komplett durchnässt war, war es schon hart. Motiviert war ich aber und Zweifel am Unterfangen kamen nie auf. Vielleicht auch, weil wir auf dem dritten Platz unterwegs waren und ich diesen sicher ins Ziel bringen wollte :)
Einige Anekdoten von unterwegs:
Über Tag war es sehr, sehr heiss und Beni lit entsprechend.. als wir am Abend zusammen am Rennen sind und die Sonne runterbrennt - Beni: "Huere Siech - ich zöch iz denn uf Alaska!"
Mit Beni im Abstieg vom höchsten Berg der Tour treffe ich auf einer Alp ein. Wir füllen die Flasks und ein Helfer fragt, ob wir einen Musikwunsch hätten. Ich sagte AC/DC hells bells. Der Typ suchte auf seinem iPod und tatsächlich wurden wir mit lautem Gitarrensound in die Nacht entlassen :) Echt geil!!
Irgendeinmal in der dunklen Nacht treffe ich bei einem Verpflegungsstand ein. Ich bin seit längerem wieder ein Gast da (nur vier Läufer vor mir unterwegs). Der freundliche Helfer und ich verständigen uns in bestem Französisch.. bis eine Helferin am Stand sagt: "vous deux sonnez la même chose" - von da an sprachen wir auf Schwiizerdütsch weiter.
Gegen Schluss vom Rennen konnte ich nicht mehr essen - lustlos und ein flauer Magen. An einem Verpflegungsposten waren vier ältere Damen engagiert. Ich sah wohl sehr traurig aus, sie wollten mich fast nicht weiterlaufen lassen ohne den Kuchen oder die Teigwaren zu versuchen (Mamiinstinkt?). Ich erklärte dann, dass ich schnell weiter will und "tous que je mange reviens tout-de-suite".
Beim Rangverlesen am Sonntag hinter der Bühne beim Warten: Alle sechs Läufer auf dem Relaispodest waren mit Frau und Kind anwesend -- Familientag in Montreux. Ultraläufe scheinen der perfekte Familienvatersport zu sein :)
Ebenfalls sehr schön war, dass ich den Dänen Hendrik wieder traf - wir waren beim Scenic im Tessin viele Stunden zusammen unterwegs. Er lief sein erstes 100Meilen Rennen - also die volle Distanz alleine. Er wurde fantastischer dritter Overall.
Nun versuche ich mich darin, dem Körper mehr Pause zu geben - ich werde halt auch bald 40 Jahre alt und da braucht es wohl einfach mehr Erholung...
