Eh ja.. und Wetter und Bedingungen passten dann fast perfekt. Für die ganz lange Tour lag noch etwas zu viel Schnee, als dass wir zügig vorwärts gekommen wären, Gewitter waren angesagt und sowieso - es war so gerade richtig.
Wir stiegen am Mittwoch zur Mischabelhütte auf. Dies geschah so zügig, dass ich gar nicht recht Zeit hatte, mich an das ungewohnt schwere Schuhwerk und den grossen Rucksack anzupassen - hehe. Meine letzte Hochtour lag doch bereits fünf (!!!) Jahre zurück und seither bin ich nur noch in Trailrunningschuhen unterwegs :) Nach Bier und Chips, einem feinen Nachtessen in sympathischer Gesellschaft und flotten Gesprächen, gings zur kurzen Nacht über.
Vier Stunden Schlaf wären möglich gewesen bis zum Frühstück um 02.00 Uhr morgens. Etwa alle 30min checkte ich die Uhrzeit, an Schlaf war nicht zu denken. Das Gesäge war schier unaushaltbar und ich überlegte mir ernsthaft, im Aufenthaltsraum etwas liegen zu gehen. Nun denn, zum Glück war die Zeit rasch vorbei und ich sass mit David am Frühstückstisch.
Zwei Kaffee später und ein paar Bissen Frühstück liefen wir los. Direkt nach der Hütte geht es erst noch auf einem Pfad, dann bald auf Pfadspuren der Lenzspitze entgegen. Jedoch ist es ein weiter Weg, welcher für meine Verhältnisse sehr ernsthaft ist. Praktisch nie kann man "zurücklehnen" und einfach vorwärts gehen - immer muss man gut aufpassen wo man steht und sich festhält. Das letzte ~Drittel bevor der Firngrat kommt ist nicht immer aus bombenfestem Gestein. Die Kletterstellen sind anhaltend anspruchsvoll, im Nachstieg aber enorm cool zu klettern! Respekt meinem Vorsteiger, welcher mich sicher führte.
Dank dem frühen Start, hatten wir einige der anspruchsvollsten Stellen im Stirnlampenlicht zu klettern. Dies war für einen Grufti wie mich ungewohnt, aber toll. Extrem schön empfand ich den Sonnenaufgang! Wow.
Nach der Lenzspitze ging es etwas einfacher in den Sattel der beiden Gipfel und es folgte wahnsinns Fels und enorm anregende Kraxelei. Nahezu senkrechte Kletterstellen im dritten Grat - soooo geil. Und dies bei perfekten, trockenen Bedingungen.
Vom Gipfel des Nadelhorns war dann noch etwas Ausdauer gefragt. In einfachem Gelände (bei den angetroffenen Verhältnissen) ins Windjoch und über den Gletscher zurück zum Felsgrat, wo der Pfad vom Morgen wieder zur Hütte zurückführt. Da wechselten wir wieder aufs Sommertenu und trabten zum Panache auf die Hütte.
Nachdem der Wasserhaushalt wieder im Lot war, setzten wir unseren Abstieg nach Saas Fee fort. Nach Glace und weiterer Flüssigkeit endete dieser Trip im Postauto nach Hause.
Mit diesem genialen Ausflug konnte ich meine Schweizer 4000er Gipfel etwas erweitern und es fehlen nun noch deren 8 Gipfel, um zu komplettieren.
Einen herzlichen Dank geht an David, welcher mich super führte und dieses Erlebnis ermöglichte. Es war wunderbar, nach so langer "Abstinenz" wieder einmal eine echte Hochtour zu unternehmen. Damit ich aber wohl nicht bald wieder "ausbrechen" will, waren die Schnarchkonzerte echt übelst und schrecken etwas ab :)
Hehe - da bleibt wohl nur der "Berge in einem Zug erklettern"-Modus.


