Montag, 8. Juli 2019

Ultra Trail Verbier St. Bernard #3

Einfach mega… oder wie man in einem Tag zwei Wochen Sportzeit verpackt :)

Wie bereits hier oder hier zu lesen, ist es nicht meine erste Teilnahme an diesem Event und dies spricht für sich. Ich mag flach laufen überhaupt nicht und dafür Berge und "anspruchsvolle" Trails umso mehr. Dieser Ultra Trail Event trifft meinen Geschmack voll und ganz. Nun denn... auf ins Abenteuer!

Am Freitag fahre ich am späten Nachmittag nach Verbier. Unterwegs hole ich in le Chable die Startnummer und höre mir die letzten Infos zur Strecke an: es liege wenig Schnee auf den hohen Pässen, sonst meist staubtrocken und das Gewitterrisiko besteht - aber alles ist möglich :) hihi..

Danach parke ich das Auto wie gewohnt auf dem grossen Parkplatz (Perrin) mit der Toilette in der Nähe, rüste es für die kurze Nacht ein und marschiere ins Dorf. Da treffe ich nach einem Moment auf Philippe und seine Frau Patrizia. Gemeinsam gehen wir mit einem weiteren Paar eine Pizza essen - so weit also nichts an der Vorbereitung eines Ultras geändert (Pizza!)

Im Auto schlafe ich dann sofort ein und bin wie gewöhnlich 5min vor dem Wecker wach. Zackig ziehe ich mich an, crème die Füsse ein und mache mir einen richtigen Kaffee in der Bialetti - das muss schon sein! Die Zeit verfliegt im Nu und so joggen Philippe und ich zum Startareal. 

Dropbag aufgeben, Segen vom Pfarrer annehmen und dann hü, um 0500 Uhr in die Dämmerung rennen (mit einigen anderen Abenteurern). Im Wald ist es noch zu dunkel, als dass ohne Lampe sicher gelaufen werden konnte - also war die Stirnlampe für wohl 30min noch im Einsatz.

In Sembrancher (0623 Uhr) verpackte ich diese im Rucksack, füllte die Flaschen auf und machte mich zum ersten Gipfel auf. Philippe konnte ich inzwischen wieder einholen und so liefen wir mehr oder weniger zusammen. Da ich kurz vor dem Gipfelgrat noch austreten musste, verloren wir uns.



Nach dem Gipfel bildete sich ein super Zügli bis Champex-Lac. Ein Läufer aus Frankreich hatte ein tolles Tempo und da wir zu viert runterrannten, machten die früher gestarteten Läufer oder die die langsamer sind subito den Weg frei. Am Verpflegungsposten (0954 Uhr) füllte ich alle Flaschen auf und es ging nun hoch zur Ornyhütte. Der Weg dahin ist steil, lang und spannend mit vielen Wurzeln und Steinen gespickt. Mein Ding :) 

Den langen Abstieg ins Val Ferret lief ich mit einer älteren Französin. Sie hatte einen Pacer und dieser passte auch zu mir. Wiederum konnte ich somit profitieren und zügig im Backofen landen. Die Strecke bis nach la Fouly (1431 Uhr) gehört definitiv nicht zu meinen liebsten. Da ich aber öfters mit Elena flach laufen war, konnte ich dieses Jahr so viel davon rennen wie noch nie :) 

Hier hatte ich vor zwei Jahren zu wenig zu Essen. Ich füllte meinen Rucksack mit "Birewegge" und zog los. Ein gleichmässiges Tempo ist hier wichtig für mich - die Strecke verleitet, zu schnell zu starten nach der Verpflegung und der Anstieg zieht sich. 

Mehr oder weniger konnte ich dies durchziehen und den Grossen St. Bernard (1720  Uhr) erreichen. Immer noch recht frisch in den Beinen verlies ich den Verpflegungsposten, in der Hoffnung bald in Bourg St Pierre anzukommen.
Leider war dem nicht so. Von 100 auf 20 stopte mein Körper. Ich konnte nichts mehr essen und alles was ich probierte widerstand mir heftig. So musste ich mich zwingen, hinzusitzen, in kleinen Bissen zu essen und alles mit Wasser runterzuspühlen. Irgendwie musste ich Energie in mich bringen.



In Bourg St. Pierre (1942 Uhr) dann mein Dropbag.. Füsse frisch eincrèmen, frische Socken und Essen in den Rucksack packen. Irgendwie konnte ich bei allen Handlungen ab und zu eine Gabel Spaghetti in den Mund stossen und darauf herumkauen.

Der Aufstieg zur Cabane de Mille ist viel weiter, als man denkt. Da ich dies wusste, konnte ich mich darauf einstellen. Man sieht die Hütte zwar bald einmal, kommt und kommt aber nicht näher, da dreimal (!!!) der Höhenweg in ein Tal und zurück führt.

Im Abstieg rief ich Stefanie an. Das Telefon auf dem Lautsprecher in der Brusttasche verstaut konnte ich rennen/laufen und dazu telefonieren :) Wir erzählten uns gegenseitig vom Tag. Ich teilte ihr mit, dass ich in Lourtier aufgeben will. Im Nachhinein völlig unvorstellbar... ein Rennen am letzten Berg aufgeben zu wollen. Ihre Fragen nach Schmerzen musste ich alle verneinen. Einzig war ich müde und hatte wenig Energie (ich konnte nun seit 6h nicht mehr wirklich essen). Sie überzeugte mich (zum Glück) weiterzulaufen.

In Lourtier (0017 Uhr) nahm ich dann einen Kaffee (Koffeinshot), zwei, drei Cracker, füllte die Flaschen und lief in ganz kleinen Schritten 1200 Höhenmeter nach la Chaux. Yes!!! Letzte Verpflegung (0227 Uhr), nun ging es fast nur noch steil runter nach Verbier ins Ziel. Total motiviert und alle Probleme wie weggeblasen konnte ich es voll laufen lassen. Ich joggte fast jeden Meter bis ins Ziel und lief die letzten Kilometer wieder weit unter 5min/km - so genial! 

Und dann.. fix und fertig - aber happy (0319 Uhr). Meine Zeit der ersten beiden Male konnte ich erneut unterbieten - was wäre wenn hätte könnte sein dann... es war ein super Rennen, Abenteuer, mit allen Facetten des Ultrasports: Glück, Pech, Freude, Krise, Durst, Müdigkeit, Gedankenkarrussel, ... ich mag es!

111km / 8400 Höhenmeter / 22h 19min / Rang 15 (Kategorie) / Rang 26/~250 (overall)


Finisherpräsent :)