Dienstag, 23. Juli 2019

Projekt Kandersteg - Grindelwald

Nicht immer sind die Ideen für die langen Dinger von mir :) Vor drei Jahren versuchte meine Frau mit Kollegen von Kandersteg nach Grindelwald zu laufen. Damals verkleinerte sich die Gruppe unterwegs bereits und am Schluss fehlte nur noch ganz wenig... aber eben - es fehlte ein Stück.

Von meinem Ultra-Bla-Bla-Bla wohl einwenig angesteckt, drängte meine Frau auf einen neuen Versuch dieser Tour. Und siehe da, vergangenen Montag standen alle Lichter auf grün. Seit wohl zwei Jahren unser erster kompletter Tag ohne Kinder. Wow, wow, wow, die Zeit läuft.

Diesen Tag nutzten wir dann bis auf wenige Stunden auch voll aus :) Morgens um 5 fuhren wir nach Zweisimmen, da das Auto parkiert. Klar wäre es auch direkt ab Gstaad gegangen, aber die Zugverbindungen bis Zweisimmen sind am Abend länger möglich und wir wollten nichts riskieren. 

In Spiez genossen wir beim Frühstück am Bahnhof das wilde Treiben unterschiedlichster Leute. Immer wieder spannend :) In Kandersteg spazierten wir noch bis zur Hauptstrasse, dann wurden die Uhren gestartet und in den Laufmodus gewechselt. 

Erstes Ziel: Oeschinensee. Den See erreichten wir über die steile Teerstrasse, im unteren Teil auch immer wieder auf dem Bergwanderweg.


Nächstes Ziel: Hohtürli. Wir joggten dem See entlang und der Weg wurde immer steiler. Meine Frau drückte aufs Gaspedal und ich musste sie bremsen. Einerseits hatte ich etwas Bammel, dass ich die Tour nicht packe (da der Ultra und bereits wieder einige andere Ausflüg noch tief in den Muskeln steckten) und andererseits, dass sie sich übernimmt. Mit einem guten Schritt erreichten wir den Pass mit noch frischen Beinen. So wurde die Hütte mit dem lockenden Cola ausgelassen und wir stachen gleich in den ersten Abstieg.


Nächstes Ziel: Sefinafurgga. Während dem Abstieg war jeweils der Plan, sich zu verpflegen, so sollte für die Aufstiege wieder Benzin in den Muskeln sein. Es begegneten uns etliche Wanderer, welche sich im Aufstieg zur Blüemlisalphütte befanden. Einige atmeten bereits weit untern stark und ich dachte mir, dass die vielen Treppen zum Hohtürli wohl ziemlich hart werden würden. Nun denn... für uns gab es eine längere Traverse mit etwas Auf und Ab. Als wir auf den Gspaltenhornhüttenzustiegsweg trafen, waren unsere Trinkflaschen leer. Bis zur Rotstockhütte auf der anderen Seite, wo wir sicher ein kühles Getränk wollten, war es noch ein Stück. Bevor wir dann aber gezwungen wurden, die Gspaltenhornhütte aufzusuchen (kleiner Abstecher), gab es ein kleines Rinnsaal über den Weg. Rasch packte ich die Filterflask aus und wir füllten unsere Flasks :) So konnten wir sauber durchziehen bis auf die Sefinafurgga.



Nächstes Ziel: Stechelberg. Im Abstieg begegneten wir etlichen Wanderern.. scheint sehr inn zu sein diese Ecke. Wir können es niemandem verübeln und empfehlen dringendst, da auch unterwegs zu sein. Oft wunderschönes Laufgelände, Blick auf Gletscher, angenehme Temperaturen (wenn es im Flachland wieder über 30°Grad wird), ... Bei der Rotstockhütte gab es dann endlich das kühle Getränk. Es waren mittlerweile fünf Stunden vergangen seit unserem Start in Kandersteg. Wiederum verpflegten wir uns mit einem Sandwich und liessen es danach wieder Krachen. In Stechelberg angekommen, bekamen wir die Hitze nun auch zu spüren.


Nächstes Ziel: kleine Scheidegg. Der Talort liegt nicht einmal auf 850m ü.M. und so war die Hitze gnadenlos. Zum Glück ging ein schwaches Lüftchen. So konnten wir bis zu den Trümmelbachfällen joggen. Auf dem Camping wechselten wir ein paar Münzen gegen zwei Colas. Diese nahmen wir in den Rucksack und gingen sogleich in den letzten, langen Aufstieg. Schier endlos geht es 1350Höhenmeter nach oben, zum Glück meist im Schatten. Der Weg ist aber durchgehend steil und verlangt Aufmerksamkeit. Hier kamen nun die ersten richtigen Ermüdungen.. Essen? Trinken? Salztablette - würgs.. aber es musste sein. Irgendwann kamen wir auf die Eigerultrastrecke und kurz darauf zur kleinen Scheidegg.


Nächstes Ziel: Grindelwald. Wir waren im Abstieg nicht mehr so locker-flockig unterwegs wie am Anfang, aber immer noch deutlich schneller, als die Wanderwegweiser aufzeigten. Während ich meiner Frau erzählte, wie viele Panache ich trinken will und dass ich noch hin- und hergerissen sei, ob lieber Hamburger oder Pizza, wollte sie nur etwas trinken und liegen können oder die Füsse in einen Brunnen strecken. So plauderten wir über wichtigere und unwichtige Dinge und erreichten Grindelwald nach total 10h 50min (57km, 3750 Höhenmeter).


Während sie die Füsse im Brunnen badete, holte ich Panache, Chips und Glace :) Die Pizza- oder Hamburgerfrage wurde durch die baldige Abfahrt des Zuges gelöst. Für uns beide war die Welt schwer in Ordnung so. Mission Kandersteg - Grindelwald erfolgreich erfüllt, Füsse im Brunnen und Panache in der Hand. Und da meine Frau eine Abfallentfernerin ist, waren wir positiv erstaunt, wie wenig wir nach dem Vorbild #plogging mitnahmen.