Montag, 7. September 2020

Swisspeaks 95 #3...

 ... weil aller guten Dinge drei sind? Hmmm, vorneweg - ich kann mir gut vorstellen, an dieser Veranstaltung auf einer anderen Streckenlänge noch einmal teilzunehmen :)

Beim Swisspeaks hatte ich letztes Jahr den Lauf des Lebens. Dass ich da nicht anknüpfen kann, war mir bewusst. Aber die Strecke ist wie schon beschrieben, auf mich zugeschnitten. Äussert technisches Gelände, harte Höhenmeter und kaum flache Meter zum Rollen :) Genau, wie ich mir auch eine Trainingsrunde vorstelle. Nur kann ich mich im Alltag nicht motivieren, so lange durch die Gegend zu laufen.

Da ich aber genau das mag, vereinbarten wir einen Wechsel von 170km auf 90km aus verschiedenen familiären Gründen. So konnte ich lange unterwegs sein, ohne derart kaputt zu sein. --> und hier: ICH WILL DAS KOMPENSIEREN. (Kenner wissen, was ich meine.) 


Ich fuhr am Freitagmorgen früh los nach Bouveret. Parkte das Auto wie fast gewohnt bei der Migros. Mit dem ÖV gings an den Start in Finhaut. Ein Kollege lief ebenfalls und gemeinsam hielten wir im lokalen Laden ausschau nach dem perfekten Geheimdrink für sportliche Höchstleistungen.

Leider musste ich aufgrund des Streckenwechsels in der hintersten Welle starten. Dies bedeutete dann Stau auf den ersten 2.5 Stunden :( Ich nutzte den Stau um ein paar Beeren zu essen - haha. Weiter traf ich auf den Helfer, welcher mir letztes Jahr auf den Schlussmetern den richtigen Weg gezeigt hat (hier nachlesen). Wir plauderten eine Weile über letztes Jahr und sonst so :), bevor meine längeren Beine einfach zügiger waren.

Im zweiten längeren Aufstieg lief ich auf Brigitte auf. Sie war mir bekannt aus vielen Bloggberichten von Martin. Eine zähe Frau und sympathisch - schnell fanden wir Gesprächsstoff und der Aufstieg war bald vorüber. Ich habe irgendwo in einem Blog einmal gelesen, dass man an den Ultras viel Zeit mit Pausen verlieren kann. Meine Ambition ist es jeweils diesen "Fehler" zu vermeiden. So lief ich ohne Pause weiter und traf Brigitte dann leider nicht mehr.

Nun weiss ich bereits wieder nicht mehr alles... irgendwie entstehen bei mir bei so Läufen Lücken in der Erinnerung. Ich staune jeweils, wie der besagte Blogger Martin (--> klick) sich an viele kleine Details erinnern kann. Äbe.. irgendwann im Irgendwo traf ich den Kollegen wieder. Er startete in einer vorderen Welle (mit Zeitvorsprung). Gemeinsam liefen wir nun mehrere Stunden über Stock und Stein. Er erzählte viel, ich nickte. 

Der erste Teil bis Champery ist sehr langsam. Für die 46km und etwa 3000hm brauchten wir 8h. So waren wir gerade beim Eindunkeln in der "livebase". Da bekommt man seine Tasche. Für mich auch hier, möglichst keine Zeit verlieren. Leider war die Base etwas chaotisch organisiert oder ich eben.. nicht mehr klar im Kopf. Jedenfalls nahm ich zwei, drei Dinge aus der Tasche und wollte weiter. Ich irrte gefühlte Stunden umher und fragte mich durch. Eine Dame erbarmte sich meiner und nahm mir die Tasche, mit dem Versprechen, sie abzugeben, ab. Merci beaucoup.

Manu wollte essen und Füsse eincrèmen und so - ich ging als alleine weiter. Ich telefonierte mit Steffi. Parallel versuchte ich zu essen.. 100x habe ich offenbar wiederholt, dass ich das Brot nicht runterbekomme und der Käse aufstosse. Eh ja, ich erinnere mich, dass ich ab da praktisch nicht mehr essen konnte.

In Morgins versuchte ich in der Verpflegung die leckeren Kekse und Käse. Fehlanzeige... wenige Meter nach dem Verlassen der Station verteilte ich den Mageninhalt über die Strasse. Zum Glück war es dunkel und es hat mich niemand gesehen.

Ich telefonierte wieder mit Steffi, irgendwo im Nirgendwo um 02.00 Uhr morgens. Es war schön, sie zu hören, leider weiss ich nicht mehr, wovon wir sprachen. Total im Rausch machte ich etliche Plätze gut und drehte auf. Die Strecke präsentierte sich wunderschön. Ich rannte über einen Grat und sah die Lichter zu meiner rechten am Genfersee.

Nach vielem Auf und Ab folgte ein mega Abstieg. Unendlich viele Kehren auf einem gut laufbaren Weg geht es an den See hinunter und 1km flach ins Ziel. Es war noch dunkel als ich da auf dem Kategorienrang 10 einlief.




Läufersack, Erinnerungspreis abholen und unter die Dusche. Danach legte ich mich ins Auto und überfiel 2h später mit einem mega Hunger die Migros :)


Ich bin total glücklich, dass ich dieses Rennen gelaufen bin. Es war einmal mehr ein super Erlebnis: überall glückliche und freundliche Helfer, extrem coole Strecke (habe ich das schon erwähnt?) -> Abenteuer pur! 

99.5km, 5800Hm hoch, 6300Hm runter, 16h 25min davon gemäss Garmin 15h 23min in Bewegung (durch die Corona Vorschriften ging an den Verpflegungsposten viel Zeit verloren - wer Betreuung hatte, war hier klar im Vorteil), 444 Gestartete, 257 Finisher